Über Grenzen kann man endlos nachdenken – es eröffnen sich immer neue Horizonte und Erkenntnisse. Als Einstieg haben wir einige Gedanken zweier österreichischer Autoren harausgesucht: 

  • des Triester Schriftstellers Claudio Magris aus seinem Buch „Wer steht auf der anderen Seite?  Grenzbetrachtungen“, das 1993 im Residenz Verlag, Wien, erschienen ist. Seine Gedanken sind mit CM gekennzeichnet.
  • des österreichischen Philosophen und Universitätsprofessors Konrad Paul Liessmann aus seinem Buch „Lob der Grenze“, erschienen 2012 im Zsolnay Verlag, Wien. Seine Gedanken sind durch das Kürzel KPL erkennbar.

Wir werden gerne neue Gedanken der Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres Projekts hinzufügen. 

Die Grenze ist Brücke oder Schranke. Sie bringt Dialog oder unterdrückt ihn. (CM)

Jede Abgrenzung hat mit Unsicherheit zu tun und mit dem Bedürfnis nach Sicherheit. (CM)

Die Grenze ist eine Notwendigkeit, denn ohne sie, oder besser ohne begrenzende Unterscheidung, gibt es keine Identität, keine Form, keine Individualität, ja nicht einmal eine reale Existenzmöglichkeit, denn sie würde vom Gestalt- und Unterschiedslosen verschlungen. (CM)

Die Grenze bedeutet Wirklichkeit, verleiht Umrisse und Gestalt, bestimmt die Besonderheit der Einzelperson wie des Kollektivs, der Existenz wie der Kultur. (CM)

Grenze ist Form, also auch Kunst. (CM)

Ohne Grenzen gibt es kein Miteinander, ohne Differenz keine Erkenntnis: Wer als Mensch wissen will, wer er ist, muss wissen, von wem er sich unterscheidet. Und wer das Risiko sucht, muss wissen, wann er die Sicherheit verlässt. (KPL)

Grenzen können nur überschritten werden, wenn es sie gibt. Weder in der Politik, in der Moral noch in der Kunst kann es darum gehen, Grenzen schlechthin aufzugeben. Es muss darum gehen, wo und wann Grenzen gezogen und wie damit umgegangen werden soll. Es kann humaner sein, eine Grenze zu respektieren und über die Grenze hinweg dem anderen die Hand zu reichen als die Grenze niederzureißen. (KPL)

Die Grenze ist überhaupt die Voraussetzung, etwas wahrzunehmen und zu erkennen. Jeder Versuch, Sinneseindrücke zu ordnen und in ein begriffliches System zu bringen, zieht Grenzen. (KPL)

Niemand könnte ‚ich‘ sagen, wenn damit nicht auch schon eine Grenze zwischen mir und allen anderen gezogen wäre. /…/ Grenzen zu erkennen und anzuerkennen bedeutet immer auch zu erkennen und anzuerkennen, dass es nicht nur ein Diesseits, sondern auch ein Jenseits der Grenze gibt. Erst die Grenze provoziert den Wunsch zu sehen, wie es auf der anderen Seite aussieht. (KPL)

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