Kunstverweiler Umetniški kotiček

Liebe Besucher der Webseite des VÖSFG, da wir uns vor allem als Vermittler zwischen Slowenien und Österreich/Steiermark auf dem Kunst- und allgemeinen Kulturgebiet sehen, möchten wir Ihnen/euch viermal im Jahr ein Gemälde oder eine Skulptur steirischer oder slowenischer Künstler (viele sind auch unsere Mitglieder) und ein Gedicht in beiden Sprachen zum kurzen Verweilen in der Kunstwelt anbieten – um für ein paar Augenblicke dem Alltag zu entweichen, kurz nachzudenken, sich über etwas Schönes und Ästhetisches zu erfreuen und der Seele zu schmeicheln. Nehmen Sie sich ein paar Augenblicke Zeit und verweilen Sie kurz in der inspirativen Kunstwelt!

Traude Sieglinde Mihalopulos: „Metamorphosis 3“, Installation, 2018

Metamorphosis 3

„Metamorphosis 3“ ist eine Arbeit, die zum Teil im Sommer 2018 auf der griechischen Insel Skyros (Hauptinsel der nördlichen Sporaden in der Ägäis) entstanden ist und die die Künstlerin dann zu Hause in ihrem Grazer Atelier, der ehemaligen Galerie im Lend, weiterentwickelt und fertiggestellt hat.

Die Steine und das Schwemmholz, auf dem sie nun liegen, hat das Meer an den Strand von Skyros gespült. Die Künstlerin hat sie aufgenommen und ihr Geheimnis der langen, langen Reise sowie ihre Prägung an Land und im Meer in Frottagetechnik auf Notizzettel gebracht. Später hat sie sie zu einem Bild zusammengefügt, die Steine würdevoll im Schwemmholz ruhend auf ein Podest gestellt und als Einheit bereits in einer Ausstellung in der Galerie Centrum in Graz gezeigt. Diese Arbeit wurde auch in die nächsten Ausstellung „LAPIDAR I  (zur praktischen Ästhetik der Steine)“ der Galerie Centrum (Eröffnung fand am 28. Dezember 2018 statt) übernommen.

In dieser Arbeit hat die Künstlerin auf das Einbinden ihrer Initialen TSM verzichtet, die andere Bildinhalte tragen und die sie auf diese Weise in Zusammenhang mit all dem bringt, was sie zum Zeitpunkt des Arbeitens jeweils vorfindet – in ihrem Inneren und um sich herum. Das Resultat ist dann meist in Acryl oder Mischtechnik auf Leinwand oder Papier zu finden.

TSM, Traude Sieglinde Mihalopulos, geb. in Graz, Matura am Bundesgymnasium für Berufstätige, Studienabbruch aus familiären Gründen.
Dreimaliger Besuch der Salzburger Sommerakademie: 1996 und 1997 in der Klasse von Milan Knizak, Prag, 1998 in der Klasse der Zhou Brothers, Chicago.
Mal- und Zeichenkurse bei Prof. August F. Svoboda, Wien. Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen seit 1995 im In- und Ausland.
Weitere Details zur Person der Künstlerin und ihren Arbeiten auf:  www.mihalopulos.com.
Kontakt: galerie.im.lend@aon.at

Ivan Minatti – Nekoga moraš imeti rad,

pa čeprav trave, reko, drevo ali kamen,
nekomu moraš nasloniti roko na ramo,
da se, lačna, nasiti bližine,
nekomu moraš, moraš,
to je kot kruh, kot požirek vode,
moraš dati svoje bele oblake,
svoje drzne ptice sanj,
svoje plašne ptice nemoči
-nekje vendar mora biti zanje
gnezdo miru in nežnosti –
nekoga moraš imeti rad,
pa čeprav trave, reko, drevo ali kamen –
ker drevesa in trave vedo za samoto
-kajti koraki vselej odidejo dalje,
pa čeprav se za hip ustavijo –
ker reka ve za žalost
-če se le nagne nad svojo globino –
ker kamen pozna bolečino
-koliko težkih nog
je že šlo čez njegovo nemo srce –
nekoga moraš imeti rad,
nekoga moraš imeti rad,
z nekom moraš v korak,
v isto sled –
o trave, reka, kamen, drevo,
molčeči spremljevalci samotnežev in čudakov,
dobra, velika bitja,
ki spregovore samo,
kadar umolknejo ljudje.

Vir/Quelle: Ivan Minatti „Nekoga moraš imeti rad“. Mladinska knjiga, 2014. Aus dem Slowenischen von Kasilda Bedenk

Ivan Minatti – Jemanden muss man gernhaben,

und seien es Gräser, ein Fluss, ein Baum oder ein Stein,
jemandem muss man den Arm um die Schulter legen,
dass er sich, begierig, an der Nähe sättigt,
jemandem muss man, muss man,
das ist wie Brot, wie ein Schluck Wasser,
muss man seine weißen Wolken reichen,
seine kühnen Vögel der Träume,
seine scheuen Vögel der Machtlosigkeit
– irgendwo muss es doch für sie
ein Nest der Ruhe und Zärtlichkeit geben –
jemanden muss man gernhaben,
und seien es Gräser, ein Fluss, ein Baum oder ein Stein –
denn Bäume und Gräser wissen von der Einsamkeit
– die Schritte entfernen sich stets wieder,
auch wenn sie einen Augenblick innegehalten hatten –
denn der Fluss weiß von der Trauer
– wenn er sich nur über seine Tiefen beugt –
denn der Stein kennt den Schmerz
– wie viele schwere Füße
haben schon sein stummes Herz getreten –
jemanden muss man gernhaben,
jemanden muss man gernhaben,
mit jemandem muss man Schritt halten,
der gleichen Spur folgen –
oh, ihr Gräser, Fluss, Stein, Baum,
schweigende Begleiter der Einsamen und Sonderlinge,
gute, große Wesen,
die zu reden beginnen erst,
wenn die Menschen verstummen.

Über den Autor

Ivan Minatti (1924-2012) war slowenischer Dichter, Übersetzer, Redakteur und Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Er wurde in Slovenske Konjice (eh. Gonobitz) geboren, lebte aber später in Slovenj Gradec (eh. Windischgrätz) und Ljubljana. Bis zur Pensionierung war er Redakteur im Verlag Mladinska knjiga.

Minatti ist Vertreter der ersten Nachkriegsgeneration slowenischer Dichter. Seine Lyrik ist intimistisch, eine vor allem persönliche und emotionale Stimmungslyrik. Er dichtete im freien Vers. Seine Gedichte handeln vorwiegend vom verfremdeten Menschen, der in der Natur Zuflucht findet. Große Anerkennung erntete er durch sein Gedicht „Jemanden muss man gernhaben“, nach dem auch sein dritter Gedichtband im Jahre 1963 benannt wurde. Minattis Gedichte wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Minatti verfasste auch einige Gedichte für Kinder und den Text für ein Puppenspiel. Er übersetzte den „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupery ins Slowenische.