Kunstverweiler Neu2018-10-09T11:50:31+00:00

Kunstverweiler Umetniški kotiček

Liebe Besucher der Webseite des VÖSFG, da wir uns vor allem als Vermittler zwischen Slowenien und Österreich/Steiermark auf dem Kunst- und allgemeinen Kulturgebiet sehen, möchten wir Ihnen/euch viermal im Jahr ein Gemälde oder eine Skulptur steirischer oder slowenischer Künstler (viele sind auch unsere Mitglieder) und ein Gedicht in beiden Sprachen zum kurzen Verweilen in der Kunstwelt anbieten – um für ein paar Augenblicke dem Alltag zu entweichen, kurz nachzudenken, sich über etwas Schönes und Ästhetisches zu erfreuen und der Seele zu schmeicheln. Nehmen Sie sich ein paar Augenblicke Zeit und verweilen Sie kurz in der inspirativen Kunstwelt!

Christa Huber-Winter und Edgar Huber: „Hl. Franziskus mit dem Wolf von Gubbio“, Bronzefigur, 2016, Patientengarten des Krankenhauses der Elisabethinen, Graz

Der Hl. Franziskus und der Wolf von Gubbio
Eine Geschichte gegen das Böse, gegen Aggression, Gewalt, Misstrauen und Intoleranz.

Die Akteure:
Der Wolf: Er ist hungrig und hat auch seine Kinder zu versorgen. In seiner Not reißt er immer wieder Schafe und fällt auch die Bewohner der Ortschaft Gubbio an.
Die Dorfbewohner: Sie sind verängstigt und zornig, sie wollen den Wolf töten.
Der Hl. Franziskus: Er hört von den Geschehnissen, trifft den Wolf und zeigt ihm sein Unrecht auf. Dann findet er eine gute Lösung! Jeden Tag gibt ein anderer Dorfbewohner dem Wolf genügend zu fressen, dadurch ist niemand ernsthaft belastet und der Wolf hat keinen Grund mehr zu töten.

Franziskus zeigt, dass es wichtig ist, auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen, die eigenen und die des anderen zu erkennen und eine gemeinsame Konfliktlösung für alle Beteiligten zu finden, mit der alle leben und nur gewinnen können.
Diese Begegnung stellt ein Symbol für den Frieden dar, steht für ein Miteinander, für ein aufeinander Zugehen. Durch einen Austausch, durch das Erkennen von Vielfalt, aber auch Ähnlichkeiten kann Vertrauen, Liebe, Wertschätzung und gutes Neues entstehen. Die Arbeit des Vereins “Österreichisch- Slowenische Freundschaft” Graz und dem damit verbundenen Kulturaustausch und persönlichem Kontakt setzt genau hier an!
Die lebensgroße Bronzefigur wurde im Jahr 2016 vom Künstlerehepaar Christa Huber-Winter und Edgar Huber, unseren Vereinsmitgliedern, geschaffen. Der Hl. Franziskus mit dem Wolf von Gubbio steht auf einem Hügel im Patientengarten des Krankenhauses der Elisabethinen in Graz. Es ist ein junger, lebensbejahender Franziskus, der die Tiere und die Menschen liebt. Hier mitten in der Natur stehend hält er Zwiesprache mit einem Vogel, der auf seiner ausgestreckten Hand sitzt, ein weiterer ist gerade auf seiner Schulter gelandet. Mit seiner linken Hand wirkt er beruhigend auf den schon nicht mehr so wilden Wolf ein. Den Patienten des Krankenhauses soll er Trost, Hoffnung und Inspiration sein.

Kontakt:
Christa Huber-Winter und Edgar Huber, Atelier für Kunst und Restaurierung
Hans-Mauracher-Straße 71, 8044 Graz-Mariatrost
Mail: huber.atelier@gmail.com
Webseite: www.atelier-ehuber.at

Srečko Kosovel: Impresija

Burja je odprla okno.
Tople zvezde
padajo na polja.
Pomlad.
Pomlad.
Bel obraz je zasijal
v sinjini,
svila zašumela
po dolini.
Stekleno nebo
se je razbilo,
nad nami mehki, temni oblaki.
Svila.

Vir/Quelle: Srečko Kosovel „Gedichte“. Slowenisch-Deutsch. Wieser Verlag 1992. Aus dem Slowenischen von Ludwig Hartinger

Impression

Die Bora öffnete das Fenster
Warme Sterne
fallen auf Felder.
Frühling.
Frühling.
Ein weißes Antlitz strahlte auf
im Blau,
Seide rauschte auf
durchs Tal.
Der gläserne Himmel
zerbrach,
über uns weiche, dunkle Wolken.
Seide.

Über den Autor

Srečko Kosovel (* 18. März 1904 in Tomaj bei Sežana, Slowenien; † 27. Mai 1926 in Tomaj) war einer der bedeutendsten, wenn nicht der bedeutendste slowenische Dichter des 20. Jh. Er wurde in eine Lehrerfamilie als fünftes Kind geboren. Im Ersten Weltkrieg verlief an seinem Heimatort die Hauptkampflinie der Isonzo-Front, deshalb wurde er mit einer Schwester nach Ljubljana (Laibach) gebracht. Mit 16 Jahren begannen seine ersten Schreibversuche. Ab 1922 studierte er im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen an der neu gegründeten Universität Ljubljana Romanistik, Slawistik, Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte. Er veröffentlichte seine Beiträge in der Zeitschrift Lepa Vida, die von slowenischen Studierenden aus Julisch Venetien herausgegeben wurde. Kosovel kam  mit der avantgardistischen europäischen Literatur in Kontakt und verfasste seine Gedichte im futuristischen, impressionistischen, expressionistischen und konstruktivistischen Stil. Er gründete den Club Ivan Cankar und zusammen mit Ivo Grohar die Zeitschrift Vidovdan. Mit dem Bauhausschüler Avgust Černigoj plante er die Herausgabe der konstruktivistischen Zeitschrift KONS, was er aber nicht verwirklichen konnte. Zu Lebzeiten veröffentlichte er zwei Lyrikbände: Zlati čoln (Das goldene Boot) und Integrali (Integrale). Inmitten seiner intensiven dichterischen Tätigkeit verstarb er in seinem Heimatort nach einer schweren Erkältung an Meningitis. Kosovels Gedichte wurden von Ludwig Hartinger und Erwin Köstler ins Deutsche übertragen.